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Standort
Datum

Uhrzeit

 
Sa. 06.06.09

2100

 
geographischer Ort
53° 21.0' N 07° 12.8' E
Längen-/Breitengrad
 
zurückgelegte Seemeilen:
48,8 nm
Vortag:
9578,2 gesamt: 9627,0
   
 

 

Tagesereignisse
 
 

Heute ist zuerst ein sehr guter Tag: mein Timing für das Memmert Wattfahrwassers ist perfekt. Ich starte im Kalfamergat bei auflaufendem Wasser um Punkt acht Uhr unter Motor - wegen den vielen Biegungen im Wattfahrwasser ist das Segeln allein unmöglich, folge streng, so nah wie möglich, den Priggen, die das Fahrwasser markieren und erreiche die erste 'Höhe' vierzig Minuten später bei immer noch auflaufendem Wasser. Mit ca. 20 cm Wasser unter dem Kiel bin ich kurz danach 'rüber, ohne eine einzige Bodenberührung.
Dann geht es bei strahlendem Wetter und leicht zunehmendem Wind unter Ausnützung kleiner Abkürzungen weiter zur Osterems. Hier muß ich unter möglichst hoher Geschwindigkeit bis ganz hinauf zum sogenannten Greetsieler Nacken fahren, wo die zweite 'Höhe' zum Fahrwasser der eigentlichen Ems überquert werden muß. Um ungefähr halb zwölf Uhr folge ich den kleinen Tonnen dieses Wattfahrwasser und bin nach ein paar sehr flachen Stellen wieder sicher im tieferen Wasser der Ems - es ist geschafft!
Inzwischen hat sich der Himmel bedeckt, der Wind aus Nordost ist weiter aufgefrischt und die Ems läuft immer stärker seewärts ab. Trotzdem will ich den Autopiloten noch testen, bevor der Fluß zu schmal dafür wird, mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass das Schiff nur Schlangenlinien fährt, aber nicht den Kurs, den es soll. So werde ich in den nächsten Wochen bestimmt nicht alleine segeln können.
Bis nach Emden sind es noch ungefähr fünf Seemeilen, aber der ablaufende Strom ist jetzt so stark, dass ich bei voller Geschwindigkeit nur sehr langsam flußaufwärts komme. Dann, noch ungefähr eine Meile vor der Seeschleuse, streikt plötzlich die Maschine. Doch bevor ich in das Fahrwasser abtreibe, werfe ich schnell den Anker als Notbremse, der hier im seichten Nebenfahrwasser zum Glück gleich hält. Da ich schon länger wußte, dass wenig Diesel im Tank war, ist sofort klar, was los ist: der Tank ist leer, wahrscheinlich so schnell, weil ich so viel Gas gegeben hatte. Also Reservekanister 'rausgeholt, ein paar Liter Diesel in den Tank und wieder starten. Doch der Motor will nicht anspringen. Ich kontrolliere, ob der Anker wirklich hält, ich nicht abtreibe und rufe zuerst einmal in Emden an, ob nicht ein Schiffer von dem Hafenfest kommen kann, um mich aus dieser mißlichen Lage abzuschleppen, doch umsonst, alle sind schon zu sehr angeheitert. Da fange ich an, die Leitungen zur Maschine peu a peu zu entlüften... bis nach ungefähr einer weiteren halben Stunde und mit öligen Händen, der Motor gleich beim ersten Mal anspringt.
Es dauert dann noch etwas mehr als zwei Stunden, bis die große Seeschleuse vor Emden mich geschleust hat, die Eisenbahnbrücke vor dem Binnenhafen für mich geöffnet wird (ein paar Züge müssen vorher noch durch) und ich schließlich an dem extra für mich freigehaltenen Platz an dem Motorschiff "Standfries" der Veranstalter Daniela und Peter Baumann festgemacht habe. Der Rest des Abends ist dann ein einziger Wirbel aus Begrüßung mir noch unbekannter Menschen, Volksfeststimmung und Bewunderung der schönen, alten Schiffe im Hafen.

   
  Skipper:Jan Holthusen  

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