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Die großen Smacks - in England und auf dem Kontinent

  Pioneer CK18 nach der Restaurierung 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Essex Smack Pioneer CK18

In Essex wie auch in Boston segelten im 19.Jahrhundert verschiedene Smacks sowohl in der Fischerei in den Flussrevieren, als auch vor den weiter entfernten kontinentalen Küsten in der Muschelfischerei. Die in Colchester und Maldon gebauten schnellen und eleganten Boote standen denen aus Brixham in keiner Beziehung nach. Von 1863 und 1897 wurden 150 der größeren Essex-Smacks verlängert, ketchgetakelt und z.T. mit einer Bünn versehen, um länger auf See bleiben zu können. Die von 1998 bis 2002 wieder aufgebaute ‘Pioneer CK18’ ist der letzte Vertreter dieser als „Skillingers“ bezeichneten Smacks. Jahrzehnte lang machten sich Brixham und Barking, dem ehemalige Fischerort Londons, gegenseitig streitig, das Baumschleppnetz - „Beamtrawl“ - in die Fischerei eingeführt zu haben. Auf jeden Fall gingen die Fischer beider Häfen mit Smacks auf Fang, und die von Barking bezeichnete man auch als „Longboomer“. Um 1800 fischten 40 Schiffe mit Bünn aus Barking vor Yarmouth mit dem Trawl, um 1833 tauchten die ersten Smacks aus Brixham vor der englischen Ostküste auf, und 1845 siedelten sich die ersten Fischer aus Brixham in Hull an, später auch in anderen Häfen. So hatte Brixham ohne Zweifel einen bedeutenden Anteil am Aufstieg der großen Fischereihäfen an der englischen Ostküste.

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  Lowestoft Trawler Keewaydin LT1192 (Foto H.Ostermann)
 
Lowestoft Trawler Keewaydin LT1192 (Foto H. Ostermann)
Die Ketchen aus Brixham

Mit der Entwicklung des Eisenbahnnetzes Mitte des 19.Jahrhunderts entwickelte sich die Trawlfischerei sprunghaft, weil die Fänge nun nicht mehr nur lokal vermarktet wurden, sondern innerhalb eines Tages die großen Städte erreichten. Gegen 1850 hatte Brixham mit 130 Smacks die größte Fischerflotte Englands. Smacks waren zu dieser Zeit etwa 16 Meter lang und verdrängten 23 - 36 Tonnen und wurden als Brixham Sloops bezeichnet. Ab 1870 wurden viele, verlängert und als Ketch geriggt. Mit dieser sog. Dandytakelung stieg die Größe der Boote auf über 40 Tonnen an, bei einer Kiellänge von 60-66 Fuß. Der auf diesen Booten verwendete Kurrbaum war etwa 50 Fuß lang.

Während kurz nach 1800 der Kutter als Yacht schon mit deutlich schärferen Linien in Erscheinung trat, zeigt der Linienriss der Brixham Sloop ‘Charles’ von 1838 noch die völlige Form. Erst zur Mitte des 19.Jahrhunderts, mit dem Anstieg der Schiffsgröße, ging man in Brixham dazu über, die Fahrzeuge mit sehr scharf geformtem Bug und achtern fast extrem schlank auslaufenden Linien zu bauen, wie es für die Fischereismacks bis ins 20.Jahrhundert charakteristisch war. Der Steven stand fast senkrecht und ging mit großer Rundung in den Kiel über. Der Achtersteven war stets schräg ausgeführt und das überhängende Heck war entweder kastenförmig, elegant geschwungen, halbrund oder elliptisch ausgeführt. Die letztere Variante hatte die Werft von Fuller in Lake Lotian an der Ostküste als erste bei Hering-Driftern eingeführt. Andere bekannte Werften an der Ostküste waren die von Hervey Renolds in Lowestoft und John Bell in Grimsby. Die scharfe Form dieser Fahrzeuge war in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass für den Einsatz größerer Kurrbäume ein bestimmtes Segelmoment erforderlich war. Alle Segeltrawler hatten ausfahrbare Klüverspieren, fuhren Zement- und Eisenballast in der Bilge mittschiffs und hatten ab 1887 eine Dampfwinde an Deck.

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  Niederländische Logger
 
Niederländische Logger
Englische Smacks in Holland und Deutschland

Ab etwa 1890 gelangten zahlreiche englische Smacks durch Ankauf an niederländische Heringsfischereigesellschaften in Vlaardingen, Schiedam, Maasluis und Scheveningen. Die Vlaardinger Werft von A.de Jong kaufte die meisten englischen Smacks auf, um sie für den Heringsfang umzurüsten und dann an verschiedene Reedereien weiter zu verkaufen. Um eine Smack in der Heringsfischerei einzusetzen, mußte der Großmast zum Legen eingerichtet, ein baumloses Gaffelgroß getakelt, sowie die notwendigen Einrichtungen zum Verarbeiten des Fangs an Deck eingebaut und die Luke entsprechend vergrößert werden. Einige englische Smacks gelangten später von Holland in deutsche Heringsfischereigesellschaften.

Nachdem in den Jahren 1866/67 in Hamburg, Bremen und Geestemünde wenig erfolgreiche Versuche unternommen worden waren, mit aus England angekauften Smacks Hochseefischereigesellschaften ins Leben zu rufen, sind auch in Deutschland scharf gebaute Hochseefischkutter nach dem Aufmaß der aus Grimsby angekauften Smack ‘Pilot’ gebaut worden, zuerst von Ernst Dreyer in Altona und dann von anderen Schiffbaumeistern an der Elbe. Von 1868 bis 1886 baute Ernst Dreyer zehn Smacks für Grimsby. Die Werften von Jacob Kremer, D.W.Cremer und J.Thormälen in Elmshorn dürften zusammen mit etwa 40 die meisten Smacks für Grimsby gezimmert haben. In deutschen Heringsfischereigesellschaften kamen ebenfalls Smacks aus England zum Einsatz, was Hans Szymanski in ‘Deutsche Segelschiffe’ wie folgt vermerkt hat: „Außer diesen Loggern fanden aber auch hölzerne holländische und französische Logger sowie ähnliche englische Fahrzeuge, z.B. die trefflichen Brixham-Trawler, bei uns in der Heringsfischerei und später gelegentlich in der Frachtfahrt Verwendung.“ Dies betraf die ‘Emder Heringsfischereigesellschaften Dollart’ mit elf, die Neptun mit dreizehn und die Emder Heringsfischerei mit vier Smacks, sowie die Elsflether Heringsfischereigesellschaft mit sieben Smacks von 70 bis 90 brit. RT, die von 1872 bis 1902 zur Vergrößerung ihrer Fangflotten angekauft wurden. Ohne Zweifel hat die englische Smack die Formgebung unserer Fischkutter beeinflußt, wobei der Schiffsbaumeister Junge aus Wewelsfleth ab 1883 maßgeblichen Anteil hatte.

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Die englischen Smacks in Skandinavien

In Dänemark entwickelte sich Esbjerg ab 1870 als wichtiger Fischereihafen für die Nordsee, und man benötigte größere, seegängige Fahrzeuge. Der um 1890 eingeführte sogenannten Frederikshavener Kutter war als Neubau für die Esbjerger Fischer zunächst nicht erschwinglich. Daher wurden preisgünstige englische Well-Smacks angeschafft, die für die Fischerei mit der Ringwade zwar geeignet waren, sich jedoch aufgrund ihres Alters bald als zu reparaturaufwendig erwiesen. Über die Zahl der in Esbjerg registrierten ehemaligen englischen Smacks gibt es leider keine greifbaren Aufzeichnungen. Nach den Brixham Registern wurden z.B. zwischen 1896 und 1900 ganze fünf Brixham-Smacks nach Dänemark verkauft. Kutterbygget, also die Formgebung des Kutters mit meist halbrundem Heck, gilt in Dänemark allgemein als von England eingeführt. Im Jahr 1891 wurde in Frederikshavn der erste motorisierte Kutter nach Plänen von E.C.Benzon gebaut, die ‘W.Klitgaard N100’, ausgestattet mit Bünn für die Nordseefischerei. Dieser Kutter hat überlebt und ist historisch restauriert in Fahrt. Das unter der Bezeichnung Haj in den Jahren 1903 bis 1912 eingeführte kleinere Modell für die, Schollenfischerei hat sicherlich etwas mit dem Frederiskshavener Kutter gemein, jedoch kaum etwas mit der englischen Smack.

Vermutlich sind fast alle englischen Smacks, die nach Dänemark gingen, in der Faroer-Fischerei eingesetzt worden, obwohl Faroer-Kutter nach englischem Vorbild auch in Dänemark gebaut worden sind. Von den 1929 dort registrierten 158 motorisierten Kuttern mit durchschnittlich 78 RT waren die meisten zwischen 1880 und 1890 angekaufte englische Smacks. Noch 1950 verzeichnete Denmarks Skibsliste 71 in England gebaute Smacks auf den Faroern.

Hermann Ostermann im „Piekfall Nr.88“

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